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Katharina Sommer

>Narziss und Echo<

Thema einer Performance im Wasserreservoir Mathildenhöhe Darmstadt  vom 10.02.2001

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Feineinstellung

Narziss verging. Von seiner Schönheit hob
sich unaufhörlich seines Wesens Nähe,
verdichtet wie der Duft vom Heliotrop
Ihm aber war gesetzt, dass er sich sähe.
Er liebte, was ihm ausging, wieder ein
Und war nicht mehr im offenen Wind enthalten
Und schloss entzückt den Umkreis der Gestalten
Und hob sich auf und konnte nicht mehr sein.
Text von R.M.Rilke

Der Eingang befindet sich zwischen Hochzeitsturm und Aufstieg zu den Ausstellungshallen. Sie steigen 11 Steinstufen hinauf, wenden sich rechts, gehen durch eine graue Metalltür mit gelbem! Pfeil, ziehen ihre mitgebrachten Gummistiefel an, steigen noch eine enge Steintreppe hinauf und dann eine lange Treppe hinab. All das tun Sie auf eigene Verantwortung. Das dreischiffige Doppelkammerreservoir mit je sechs Tonnengewölben wurde 1877-80 in hartgebranntem Klinker gebaut. Hier unten steht die Zeit still, im Sommer wie im Winter herrscht eine gleichbleibende Temperatur von ca.18°. Geräusche von außen und das Tageslicht sind ausgeschlossen. 

Hier spielt Ovids Metamorphose: Narziss und Echo 
Narziss ist der Sohn des Flußgottes Cephesius und der bläulichen Nymphe Liriope, die einst in gekrümmeter Wallung rings Cephesius umhegt. Mancher begegnete sein der Jünglinge, manche der Jungfrau’n. Da er Hirsche zum Garn hertummelte, folgte ihm die Nymphe Echo. Daß sie (Echo) zurück nur gab von gereiheten Worten die letzten, das war Junos Werk. Noch war Echo ein Leib, nicht Stimme nur. Als sie den Jüngling durch buschige Lager schweifen sah, erglüht sie wie die kienende Fackel in lebendigem Schwefel. Jener entflieht. Die Verachtete schlüpft in den Wald; ihr errötendes Antlitz deckt sie mit Laub, und lebt seitdem in einsamen Grotten. Als Nachhall wird sie von allen gehört. Ihn (Narziss) lockte der Quell. Während er trinkt, liebet er nichtigen Trug. Selbst von den eigenen Augen verzehrt, schwand in dem Spiegel das Bild. Für den Leib ist sichtlich eine Blume safrangelb, um die Mitte besetzt mit schneeigen Blättern. (Narcissus poeticus)

Text von Katharina Sommer