| Projekte |
Hanne Junghans
| >BLUE ROOM< | |
![]() COMPETITION, Leuchtkasten 205 x 60 cm, 2001 |
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![]() SILENCE Leuchtkasten, 95 x 105 cm, 2001 |
![]() VIEWER, Leuchtkasten 95 x 105 cm, 2001 |
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Die Installation BLUE ROOM thematisiert die zunehmende Ästhetisierung von Arbeitswelt und allgemein von Umwelt durch neue Technologien und deren Produkte und fragt nach den Auswirkungen auf unsere Wahrnehmung und den Bewertungen, die wir daraus ableiten. Mit dem Begriff Ästhetisierung verbinde ich vor allem einen Prozess, der der ursprünglichen Bedeutung Ästhtetik = Wahrnehmung zuwider läuft, der sich zwischen den Mensch und seine individuelle Wahrnehmung schiebt, man könnte das auch als Inszenierung bezeichnen, die die Illusion des permanenten Fortschritts und dessen Beherrschbarkeit transportiert. Die Visionen, die so vermittelt werden sind Visionen einer Welt ohne Alter und Tod, man könnte es als "clean and easy" Philosophie bezeichnen. Durch die raschen, tiefgreifenden Veränderungen in Arbeit und Gesellschaft werden viele zum Zuschauer oder auch ganz zum Außenseiter. ("Not everybody will be taken into the future" wie es Ilya Kabakov formulierte) Das Fotomaterial, das meinen Arbeiten zu Grunde liegt, habe ich während des Ars Electronica Festivals in Linz im September 2000 aufgenommen. Die Fotos zeigen ein temporäres Labor, das gleichzeitig Ausstellungsexponat war. In diesem Labor wurde menschliches Gewebe in Nährlösungen gezüchtet. Diese spezielle Biotechnologie dient dazu, Haut, und in Zukunft auch Organe für Transplantationen herzustellen. Zwei australische und ein israelischer Künstler haben in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern kleine, puppenartige Figuren aus diesem Gewebe gefertigt, die zum einen als "eye-catcher" für das Labor fungierten, zum anderen aber auch bildnerischer Kommentar zum Thema Biotechnologie und Gesellschaft sind. |
Diese Figuren wurden in verschlossenen Gläsern in Nährlösungen präsentiert. Die Künstler haben mit ihren Püppchen die "clean and easy" - Botschaft in Frage gestellt, die Püppchen drücken Fragilität aus, das Unperfekte, Unfertige, sie wecken Assoziationen von Leid. Die 5 Leuchtobjekte zeichnen die Bruchlinie nach zwischen den Versprechungen der unbeschwerten Welt der neuen Technologien und dem Unsicheren, Unheimlichen, die Grenze zwischen dem Dazugehören, Mitspielen, Gewinnen und dem Draußensein, verlieren. Dieser Bruch findet sich in jedem einzelnen Objekt, deutlicher aber zwischen den Arbeiten CLEAN AND EASY 1 und 2 auf der einen Seite und VIEWER und SILENCE auf der anderen Seite. Die Farbe Blau, von den meisten Menschen als angenehm empfunden, erzeugt ein vielschichtiges Spektrum von Assoziationen und Emotionen. Tiefe, Weite, Ferne, Himmel und Meer, Traum und Geist, auch Transzendenz oder das Unermessliche, Unendliche sind Qualitäten, die mir spontan zur Farbe Blau einfallen. "Je tiefer das Blau wird, desto mehr ruft es den Menschen in das Unendliche, weckt in ihm die Sehnsucht nach Reinem, Übersinnlichem. Es ist die Farbe des Himmels, so wie wir ihn uns vorstellen bei dem Klang des Wortes Himmel" (Kandinsky). Blau ist die bevorzugte Farbe der Werbung in den verschiedenen Medien. Logos, Anzeigenkampagnen und Internetauftritte großer Firmen werden oft in Blautönen gestaltet und bedienen sich damit der beschriebenen atmosphärischen Wirkung der Farbe. BLUE ROOM spielt mit dieser atmosphärischen Wirkung der Farbe Blau, die Bildinhalte werden durch die Farbe entrückt aber auch manipuliert. Am deutlichsten wird dies bei den Arbeiten VIEWER und SILENCE, die durchweg als angenehm empfunden werden. |
![]() CLEAN AND EASY 1, Leuchtkasten, 205 x 60 cm, 2001 |
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![]() CLEAN AND EASY 2, Leuchtkasten, 205 x 60 cm, 2001 |
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Für die einzelnen Objekte der Installation BLUE ROOM habe ich die in Linz aufgenommenen Fotos zu digitalen Collagen verarbeitet. Für die Arbeit COMPETITION habe ich zusätzlich ein Foto einer Menschenmenge verwendet, für VIEWER die Aufnahme eines wartenden, alten Mannes. In dieser Arbeit (VIEWER) sind die Fotos als Einzelbilder übereinandergelegt, sie stehen quasi still wie angehaltene Augenblicke, genauso bei SILENCE. Diese beiden Bilder haben ein annähernd quadratisches Format, das dieses Moment des "in sich geschlossen sein, still stehen" unterstützt. Im Kontrast dazu stehen die Arbeiten COMPETITION, CLEAN AND EASY1 und CLEAN AND EASY2. Das Foto der Menschenmenge in COMPETITION ist mehrfach mit Ausschnitten einer Aufnahme der Gewebepuppen überlagert, die dadurch in Bewegung geraten. Für die Collagen CLEAN AND EASY1 und CLEAN AND EASY2 habe ich die Aufnahmen einer arbeitenden Frau im Labor und einer arbeitenden Frau am Computer jeweils mit sich selbst collagiert und überlagert. Es entsteht dadurch eine Dynamik, die sich aus der Überschichtung und Abfolge vieler ähnlicher Momente entwickelt. |
Mit BLUE ROOM greife ich eine Form des "Recycling" auf, die ich schon in meiner Werkgruppe PASSANTEN angewandt habe. Auch bei der Serie PASSANTEN ist das ursprüngliche Foto während einer Ausstellung (Dokumenta X) entstanden und bezieht die Arbeit eines anderen Künstlers mit ein (Dan Graham), sodass hier schon eine Überlagerung stattfindet. Was die Collagetechnik betrifft, bin ich in den letzten zwei Jahren von der Collage mehrerer Papierschichten auf Metall schrittweise zur digitalen Collage übergegangen, d.h. der Collageprozess findet jetzt bereits im Computer statt und das fertige Bild wird auf Japanpapier oder Folie ausgedruckt und auf Metall oder Acrylglas aufgezogen. Neu ist für mich die Präsentation in Leuchtkästen und die Überlagerung von zwei transparenten Bildschichten, ohne dass diese zu einer Schicht verschmelzen. Text von Hanne Junghans |