Architekturkonzeption

Die Architektur hat sich als ein Schwerpunkt meiner künstlerischen Auseinandersetzung herauskristallisiert. Ich begreife sie im erweiterten Sinne als Rauminstallation. Der bewusst gestaltete Gebäudekomplex als "erfahrbarer Raum" dient der:

  • Ruhe und Entspannung

  • kritischen Reflexion von Wirklichkeitserfahrung.

  • zwischenmenschlichen Begegnung.

Damit der Raum direkt erlebt werden kann, gehört eine spätere Ausführung meiner Modelle zur Konzeption. Jedes Projekt ist auf den ersten Blick eine abgeschlossene architektonische Anlage. Beim genaueren hinsehen, erkennt man/ frau, dass sie sich weder als Wohn -, Geschäfts - noch öffentliches Gebäude nutzbar machen lässt. Sie erinnert eher an einen Pavillon, die in einer grossen Garten- oder Parkanlage stehen könnte. Sie ist ein Gebäude als Rauminstallation.

Unabhängig von Institutionen und religiösen Sekten möchte ich Projekte verwirklichen, die vielen Menschen die Möglichkeit der Meditation, Reflexion und Begegnung eröffnen. Meine Projekte, die ich hier vorstelle, nenne ich Erwachen, Neumond und Sprechende Hand. Am Rande seien noch die Rauminstallationen "Kokon", "Letzte Fähre", "Gerichtet" oder "Peep Show" erwähnt, auf die ich hier nicht genauer eingehen werde. 

"Erwachen" setzt einen Grenzstein zwischen Träumen und Realität. Es treibt einen Keil zwischen alltäglichen und ungewöhnlichen Erfahrungen. Wie einen unheilbaren Virus befällt es mich und lässt mich nicht mehr los, bis ich erkenne, dass es kein Mittel dagegen gibt, sondern nur ein Leben mit ihm. Es schafft eine Brücke zu der Einsicht, dass die Welt, in der ich mich schlafwandlerisch sicher bewegt habe, nur in meiner Vorstellung existiert. Das Bewusstsein der Endlichkeit meiner gewohnten Welt ist die Kraft, die mich vorantreibt.

"Neumond" ist die Kehrseite meiner alltäglichen Wahrnehmung. Er beleuchtet - ähnlich wie bei einer Sonnenfinsternis - die Welt so wie ich sie mir in meinen kühnsten und schrecklichsten Träumen vorgestellt habe. Wenn der "Neumond" aufgeht, werden die geheimsten Ängste und Sehnsüchte in mir wach.

Er verwandelt das Dunkle ins Licht, das Lichte ins Dunkle und scheint in die verborgensten Winkel der Dinge und Beziehungen. Im Licht des "Neumondes" sehe ich mit nacktem klarem Auge das wahre Gesicht meiner anderen Identität, das tagsüber im Getriebe und in der Hektik des Alltags verborgen geblieben ist. Das Gesicht, das verfolgt wird von Projektionen. Projektionen, die mich mit Vorwürfen in die Enge treiben wollen. In meiner anderen Identität bekommen meine persönlichen Ängste eine andere Dimension. Die Vorwürfe, die in meinen Eingeweiden bohren, verlieren ihre Bedeutungsschwere. Mein persönliches Glück, nach dem ich gestrebt und für das ich geschuftet habe, teile ich unerwartet mit anderen, die wenig haben. 

Die Harmonie und Geborgenheit in der Beziehung, nach der ich mich sehne, entlarvt sich als zerbrechlich. Sie zerplatzt schnell wie eine Seifenblase, wenn ich sie festhalten will. Zurück bleiben am Tage Fragmente schöner Träume, in denen ich außergewöhnliche Handlungsräume erlebt habe. In Bildern versuche ich sie zu beschreiben und als Rauminstallation will ich sie eines Tages materialisieren.

"Sprechende Hand" ist mein vorerst letztes Projekt in der Serie meiner Architekturmodelle. Die einzelnen Gebäudetrakte von "Sprechender Hand" drehen sich wie ein Schneckenhaus um ein zentrales Gebäude, dessen Glaskuppel wie ein magisches Auge erscheint. Schon in meiner Kindheit und Jugend erlebte ich die Kuppel meiner Kirche, wie das Auge Gottes, das alles sieht. Heute weis ich, es ist meine Vorstellung von einem göttlichen Auge gewesen, Dieses Auge sieht respektvoll und ehrfurchtgebietend auf meine Taten und Gedanken herab.

Unter diesem imaginäres Auge stelle ich mich der Kritik. Unter dem Glaskuppelauge befindet sich ein Hörsaal, das den Betrachter meiner Arbeiten zu einem kritischen Dialog mit meiner künstlerischen Konzeption einlädt. Selbstverständlich gehen bei dem Dialog die Meinungen der Besucher über meine Architekturkonzeption weit auseinander. Die Beurteilungen reichen von distanziert, befremdet über individuell, hausbacken bis futuristisch, modern.

"Sprechende Hand" ist ein Entwurf aus einer Hand und erhebt keinen letzten Gültigkeitsanspruch. Im Gegenteil für mich ist es ein Model, das wie viele andere wieder in der Schublade verschwinden wird, ähnlich wie die phantastischen Entwürfe des Barocken Grafikers Giovanni Battista Piranesi (links) oder des Renaissance Zeichners Leonardo Da Vinci (unten) zu ihrer Zeit.

Meine Hand "spricht" ein sehr individuelles Konzept, das in kein gängiges Architekturkonzept einzuordnen ist. Es ist ein Konzept, das sich durch meine persönliche Raumerfahrung entwickelt hat. Meine Raumerfahrung ist geprägt durch meine Lebensgeschichte. Ich bin durch die Architekturräume wie durch meine Lebensgeschichte gegangen. Zurück bleibt ein flüchtiger Eindruck von einem Raum, von meinem Leben, den ich jetzt loslassen kann ohne Reue und ohne Wehmut.

Copyright © 2003 by Klaus- H. Schader
Klartraumgarten Galerie